Warum wir ohne verlässliche Regeln Gefahr laufen, Chancen auf der Strecke zu lassen
In meinem Gespräch mit Oliver Hanke, Geschäftsstellenleiter der Agentur der Wirtschaft Neubrandenburg (ADW), wurde eines sehr deutlich:
Wenn es um Fachkräftegewinnung und betriebliche Weiterbildung geht, führt heute kein Weg mehr an Migration vorbei.
Die ADW begleitet seit vielen Jahren Migrant:innen mit Sprachkursen, Aufstiegskursen und Weiterbildungen. Das Ziel: Menschen fit machen für den deutschen Arbeitsmarkt – und Unternehmen helfen, dringend benötigte Stellen zu besetzen.
Und: Es tut sich was.
👉 Gesellschaft und Betriebe sind in den letzten zehn Jahren offener geworden.
👉 Immer mehr Unternehmer:innen erkennen, dass Vielfalt eine Stärke ist.
Doch die Realität hat nach wie vor einen doppelten Boden.
Schubladendenken bremst uns aus
Oliver Hanke bringt es klar auf den Punkt:
Wir sind in unserer Region noch immer zu stark im „Schubladendenken“ unterwegs.
Vorurteile, Misstrauen und alte Denkmuster stehen einer echten Willkommenskultur im Weg – und blockieren damit genau die Entwicklung, die wir dringend brauchen.
Das Risiko für UnternehmerNoch gravierender ist aber ein anderer Aspekt:
Unternehmer investieren Zeit, Geld und Herzblutin die Ausbildung und Integration von Migrant:innen.
Sie übernehmen Verantwortung, bauen Vertrauen auf – und haben diese Menschen im Betrieb längst fest eingeplant.
Und dann passiert es:
Die Ausländerbehörde entscheidet, dass ein Mitarbeiter zurück ins Herkunftsland muss – obwohl er im Unternehmen dringend gebraucht wird.
Für den Betrieb heißt das:
Die logische Folge:
Viele Unternehmer:innen sagen sich: „Das mache ich kein zweites Mal.“
So verliert nicht nur das Unternehmen – die gesamte Gesellschaft verliert.
Politik und Verwaltung sind am ZugOliver Hankes Appell ist eindeutig:
Hier braucht es klare, verlässliche Regeln – von der Kommune bis zur Bundespolitik.
👉 Wenn Fachkräfte nachweislich gebraucht werden, darf ihre Zukunft nicht am Schreibtisch einer Behörde zerschlagen werden.
👉 Integration funktioniert nur, wenn Betriebe Sicherheit haben, dass ihre Investition in Ausbildung nicht ins Leere läuft.
👉 Politik und Verwaltung müssen Hand in Hand mit Unternehmen arbeiten – statt sie im Regen stehen zu lassen.
Offene Frage an die Community
Welche Erfahrungen haben Sie mit der Integration von Migrant:innen in Unternehmen gemacht?
Kennen Sie Beispiele, wo Politik und Verwaltung vorbildlich handeln und Integration für beide Seiten funktioniert?
Und: Welche Rahmenbedingungen müssten geschaffen werden, damit mehr Unternehmer den Mut haben, in Integration zu investieren?
Teilen Sie uns Ihre Eindrücke mit, denn ohne offene Diskussion bleiben wir im Schubladendenken stecken.
Fazit:
Wenn wir wirklich Fachkräfte sichern wollen, reicht es nicht, auf mehr Zuwanderung zu hoffen.
Wir brauchen verlässliche Strukturen, die Unternehmer:innen Sicherheit geben – und Migrant:innen eine faire Chance.
Alles andere ist ein Luxus, den wir uns angesichts des Fachkräftemangels nicht mehr leisten können.