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Aussterbende Jobs: viele der derzeitigen Berufsbilder wird es voraussichtlich in 10 Jahren so nicht mehr geben

Changemanagement

Aussterbende Jobs: viele der derzeitigen Berufsbilder wird es voraussichtlich in 10 Jahren so nicht mehr geben

„Ist meine aktuelle Jobtätigkeit auch zukünftig sicher oder muss ich auf der Hut sein, damit ich nicht bald obsolet werde?“ Vielleicht haben Sie sich das auch schon mal gefragt? Die Industrie 4.0, im Volksmund besser unter Digitalisierung bekannt, wälzt die gesamte Arbeitswelt und somit auch die Jobprofile radikal um. Wo die künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten schafft und den Menschen neue Skills abverlangen, bleiben auf der anderen Seite viele auf der Strecke. Sie werden regelrecht „wegdigitalisiert“. 

In der jetzigen Gesellschaft gibt es immer mehr aussterbende Berufe. Lassen Sie uns ein paar davon genauer ansehen:

1. Näher_innen

2. Konditor_innen

3. Finanzbuchhalter_innen

4. Brauer_innen & Weintechnolog_innen

5. Bergbauer_innen

6. Zeitungsreporter_in

7. Datentypist_in

8. Reisebüroangestellte

9. Postbot_innen

10. Landwirt_in

11. Flugbegleiter_in

12. Prüfer_in

13. Lagerarbeiter_in

 

1. Bspw. Näher_innen

Die Textilbranche wandelt sich gerade rapide. Sie wird immer schneller und immer weniger nachhaltig, auch wenn die meisten großen Konzerne behaupten, sie würden „nachhaltig“ produzieren oder sich „um ihre Mitarbeitenden kümmern.“ Die Daten- und Faktenanalyse zeigt, dass heute bereits die meisten unserer Textilien von Näher_innen aus ärmeren Ländern wie bspw. Bangladesch stammen. Sie werden dort zu Niedriglöhnen produziert und u.a. bei uns in Deutschland gekauft, dann ein paar Mal getragen und schlussendlich wieder weggeworfen.

Näher_innen werden laut dem Job-Futuromarkt in Deutschland zu fast 100 Prozent aussterben, denn Kleidung hier produzieren zu lassen, wäre einfach viel zu teuer, auch wenn es Wolfgang Grupp von Trigema aktuell für gegenteilig hält.

Wie wertschätzen wir aktuell noch Bekleidung? Klamotten vs. Kleidungsstücke: bis in die 80er und 90er Jahre hinein sagte wir noch Kleidungsstücke, heutzutage sprechen wir von Klamotten. Das zeigt bereits, dass wir den Respekt vor unseren Outfits sukzessive verloren haben. Früher wurde mit einer Klamotte nämlich einfach nur ein wertloser Gegenstand beschrieben.

2. Konditor_innen

Die schönsten Torten backt sowie Oma, da ist nichts dran zu rütteln. Doch alle anderen Backerzeugnisse werden zunehmend von Maschinen gefertigt. In einer Zeit, in der wir Gerichte sogar ausdrucken können, ist das Backen von Hand für den großen Betrieb weitestgehend überflüssig geworden. Zu diesem traditionellen Beruf gehören folgende Schwerpunkte: modellieren, backen, Teig herstellen, glasieren und Rezepte verfeinern. All diese Aufgabenfelder können mittlerweile, laut Job-Futuromarkt, zu 70 Prozent maschinell ersetzt werden. Es ist daher nur eine Frage bis das klassische Berufsbild verschwinden wird.

3. Finanzbuchhalter_innen

„Mach was mit Finanzen! Das ist ein total sicherer Job“, ein gern genommener Ratschlag der Babyboomer oder Generation X. Fast schon höre ich meine Großeltern und Eltern mir in den Ohren liegen. In den alten Zeiten war das Nachhalten der Bücher in einer Firma wirklich ein sehr wichtiger und unersetzbarer Beruf. Man musste damals zwar mit Computerprogrammen arbeiten, sie verstehen und auswerten, doch eine menschliche Hand war existenziell.

Die digitale Buchhaltung wird aber immer besser und die Systeme immer ausgeklügelter. Um die Finanzbuchhaltung in Zukunft vollkommen automatisiert ablaufen zu lassen, braucht man in Zukunft wahrscheinlich keine Menschen mehr, sondern einen soliden Datensatz, auf den sich das Softwareprogramm verlassen kann. Laut Job-Futuromat werden die Finanzbuchhalter_innen zu 100 Prozent austauschbar gegen die künstliche Intelligenz sein. 

An dieser Stelle sei angemerkt, das trifft explizit nicht das Berufsbild des Steuerberaters sondern lediglich die zuarbeitenden Berufsbilder.

4. Brauer_innen & Weintechnolog_innen

Sich den ganzen Tag mit Bier oder Wein zu beschäftigen klingt wie Musik in Ihren Ohren? Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Allerdings sollten sich alle darüber im Klaren sein, dass die Berufe der Braumeisterin oder des Weinexperten bald nur noch einigen wenigen möglich sein wird. Diese Traumberufe können nämlich laut Job-Futuromarkt jetzt schon bis zu 80 Prozent automatisiert werden. Bei Brauer_innen sind es sogar 13 von 14 täglichen Tätigkeiten, die einer Maschine überlassen werden können. In zehn Jahren wird es somit wahrscheinlich nur noch sehr wenige Menschen geben, die das Handwerk des Bierbrauens oder des Weinkelterns beruflich machen.

5. Bergbauer_innen

Die Bergbauarbeiter_innen oder auch Kumpel genannt, haben sich darum gekümmert, dass die Rohstoffe aus dem Boden geholt werden und wir sie weiterverarbeiten können. Im Kohlebau wurde Kohle geschürft, um sie zur Energie- und Stromversorgung zu nutzen. Einer der wichtigsten Rohstoffe war außerdem das Erdöl. Der in Deutschland bekannteste Standort für Bergbau ist noch immer das Ruhrgebiet, auch wenn die Stollen heute nicht mehr genutzt werden.

Die gesamte Bergbaubranche unterliegt einem riesigen Wandel, denn die Digitalisierung automatisiert viele Arbeiten der Bergbauer_innen. Das führt auf der einen Seite zu viel mehr Effizienz, auf der anderen Seite auch zu mehr Sicherheit für die Mitarbeitenden.

Heute müssen weniger Kumpel in die Stollen hinab und erledigen mehr Aufgaben der Überwachung. Die Automatisierbarkeit für Bergbauarbeiten liegt bereits bei 75 Prozent. Expert_innen sprechen davon, dass der Beruf des/der Berg- und Maschinenmanns/-frau um 100 Prozent ersetzt werden kann. 

6. Zeitungsreporter_in

Damit hätten wahrscheinlich die Wenigsten gerechnet: Doch auch der Beruf der Reporter_in ist in Gefahr. Laut Career Cast wird es bereits im Jahr 2022 gut 13 % weniger Zeitungsreporter_innen geben. Das liegt nicht nur daran, dass der Journalismus von Print auf die digitale Schiene verlegt. 

Ein anderer wichtiger Faktor ist, dass der Beruf der Journalist_in nicht geschützt ist. Auf Social Media kann jede/r ein/e rasende/r Reporter_in sein. Jeder Mensch kann seinen eigenen Blog starten und News bzw. Meinungen verbreiten. Hoffen wir, dass das die Verschwörungstheoretiker_innen nicht noch weiter auf den Plan ruft und gute Medien nicht komplett aussterben.

7. Datentypist_in

Der Beruf der Datentypist_in ist schnell erklärt: Er oder sie übernimmt Daten und Zahlen aus Online- oder Offline-Dokumenten und pflegt diese in unternehmensinterne Systeme ein. Noch ist diese Stelle für die meisten Handelsunternehmen wichtig, denn Verträge sind für Computerprogramme oft noch zu kompliziert, um automatisch übernommen zu werden.

Doch sollte sich niemand darauf ausruhen. Der Beruf des/der Datentypist_in verschwindet bereits jetzt Schritt für Schritt. Algorithmen und Programme werden immer besser und AI erfasst immer zielgerichtetere Daten.

8. Reisebüroangestellte

Klassische Reisebüros werden immer weniger, denn jede/r kann sich unproblematisch übers Internet seine eigene Reise zusammenstellen. Die Inspiration bekommen wir von Instagram, die Recherche erfolgt über TripAdvisor und die Buchung wird über booking.com, trivago etc. abgeschlossen. 

Viele sind allerdings ebenfalls dazu übergegangen, im Reisebüro eine umfangreiche Beratung abzuholen und danach dennoch seine Reise online zu buchen.

9. Postbot_innen

Mal Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal einen Brief verschickt, der nicht ans Arbeitsamt oder an eine offizielle Stelle ging? Schon so lange her? Der Beruf der Postbeamten wird vielleicht nicht komplett aussterben, aber er wird auf ein absolutes Minimum beschränkt werden. Schon jetzt vermuten Expert_innen von Career Cast, dass bereits im Jahr 2022 ein Einstellungsrückgang von gut 28 Prozent zu erwarten ist.

10. Landwirt_in

Die Landwirtschaft hat gerade so viel Ertrag und Umsatz wie noch nie seit der Geschichte der Menschheit. Und trotzdem arbeiten jetzt viel weniger Bäuer_innen und Landwirt_innen als noch vor 50 Jahren. Und das, obwohl wir viel mehr Fleisch essen. Der Grund für den Rückgang sind die Maschinen, die es Landwirt_innen immer einfacher machen, die Arbeit zu erledigen. So verändert dieser Beruf sich langsam aber sicher. Er wird nicht aussterben, doch er wird viel weniger Menschen unter sich beschäftigen können.

11. Flugbegleiter_in

Nicht der Digitalisierung wegen, sondern weil die Flugbranche an sich sehr umstritten ist, haben es auch die Flugbegleiter_innen in Zukunft wohl schwer. Die nächsten Jahre sollten für uns bereithalten, dass weltweit weniger geflogen wird, um den CO2-Haushalt einigermaßen auszugleichen. Obwohl das der Umwelt zugutekommt, werden die Flugbegleiter großflächig darunter leiden.

Die Firma Ryanair ist während der Coronazeit sogar dazu übergegangen, die Pilot_innen zwischenzeitlich auch noch den Job der Stewards und Stewardessen zu übergeben. 

12. Prüfer_in

Jeder Mensch, der beruflich Qualitätskontrollen durchführt, wird früher oder später von einer Maschine ersetzt werden können. Das Problem bei diesen Jobs ist, dass der Mensch niemals so präzise arbeiten kann wie eine Maschine. Denn wenn ein Programm richtig eingestellt ist, wird es nicht müde und kann ohne Flüchtigkeitsfehler genau das tun, was ihm gesagt wurde.

13. Lagerarbeiter_in

Viele Unternehmen tüfteln bereits daran, wie man die schwere Arbeit der Lagermitarbeiter_innen am besten von Robotern übernehmen lassen könnte. Bis zu einem gewissen Grad wird das bald möglich sein. Es wird viel weniger Menschen geben, die viel weniger schwere Arbeit erledigen müssen.

Kein hektisches Zusammensuchen der Utensilien, sondern ein gezielter Handgriff der Maschine. Menschen wird in es naher Zukunft nur noch für die Überwachung der Maschinen geben.

Insgesamt mag einem diese Entwicklung gefallen oder nicht, sie ändert nichts an dem digitalen Fortschritt. Natürlich machen sich bei diesem Thema psychologische Diskussionen auf aber wenn genau hingesehen wird und Beispiele der letzten 10 bis 15 Jahre herausgepickt werden, dann zeichnet sich ein sehr klares Bild ab. Nehmen Sie nur die Entwicklung der Bankdienstleistungen. Erinnern Sie sich zurück zur Jahrtausendwende, als sich die Bankenbranche aufgemacht hat und uns Kunden das Nutzenversprechen verkaufte: „lieber Kunde, wir bieten Dir zukünftig das Onlinebanking an. Dein Vorteil ist, Du brauchst nicht mehr zu uns in die Niederlassung kommen, denn Du überweist, handelst Aktien, schließt Versicherungen und beantragst Deine Hausfinanzierung von zu Hause aus, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.“ Und ganz ehrlich, wir fanden das super und daher gingen wir auf diesen Deal ein. Aber was haben wir damit ausgelöst??? Uns wurden Arbeitsabläufe über 10, 15 Jahre antrainiert, die bis dato ein Bankmitarbeiter in einer Niederlassung getätigt hat. Und das führte dazu, dass in den letzten 10 Jahren über 5 Mio. Banker in den Vorruhestand oder in die Arbeitslosigkeit geschickt wurden und es wird in den kommenden 5 bis 10 Jahren weitere 3 Mio. treffen. Und andere Branchen nehmen diese Strategie auf und trainieren uns derzeit ähnlich um, nämlich zu kostenfreien Mitarbeitern ihrer Unternehmen. Denken Sie nur an die Logistikbranche. Der Nutzen der uns derzeit versprochen wird ist: „lieber Kunde, Du musst nicht mehr zu Hause auf Dein Paket warten, wir bauen Dir Packstationen bei den Supermärkten und Tankstellen und Du kannst Dir dann zu jeder Zeit Deine Pakete abholen!“ Das sorgt u.a. dafür, dass Unternehmen zukünftig noch profitabler werden, auf Kosten der jeweiligen Mitarbeiter. 

An dieser Stelle sei aber auch noch angemerkt, dass die o.a. Berufsbilder auch Chancen bieten, denn die Profis, die sogenannten High-Performer werden immer einen Arbeitgeber in ihrem Berufsspektrum finden. Wer allerdings nicht mehr gebraucht wird ist der „Mittelmaß“-Mitarbeiter. Diese knapp 70 bis 80 Prozent jeder Branche (lt. Gallup-Studie) werden ausrangiert. Denn bereits heute akzeptieren wir als Kunden kein Mittelmaß für unser hart verdientes Geld.

Dieser Beitrag stammt aus dem Blogarchiv. Aussagen, Zahlen und zeitliche Bezüge entsprechen dem damaligen Veröffentlichungsstand.
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